Nordpol könnte im Sommer erstmals eisfrei sein

Große Schmelze in der Arktis: Forscher machen dramatische Vorhersagen für das Eis am Nordpol. Es taut in einem brutalen Tempo ab, viel schneller als vom Weltklimarat vorhergesagt. Dieser Sommer dürfte besonders warm werden - und laut Experten sogar Segeltörns möglich machen.
Berlin - Es ist eine Katastrophe mit Vorankündigung. Das Eis der Arktis dürfte in diesem Sommer weiter schrumpfen - ein Nordpol ganz ohne Eis gilt unter Experten als durchaus wahrscheinlich. Mark Serreze vom Nationalen Zentrum für Schnee- und Eis im US-Bundesstaat Colorado ist pessimistisch, was das Schicksal der weißen Pracht am Pol angeht. "Es ist das erste Mal, dass der Nordpol mit einjährigem Eis bedeckt ist", sagte er der britischen Zeitung "Independent". Damit stünden die Chancen 50 zu 50, dass die Gegend ihre frostige Kappe zeitweise verliere. Auch Olav Orheim vom Norwegischen Forschungsrat sieht das so: "Ich habe schon im vergangenen Oktober vorausgesagt, dass der Pol in diesem Sommer eisfrei sein könnte", sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Im August oder September werden wir Leute sehen, die mit dem Segelboot dorthin fahren." Entscheidend werden die Wetterverhältnisse sein. Im vergangenen Jahr hatten permanente Winde besonders viel Eis in die zentrale Arktis gebracht, wo es dann von der Sonne des Polartages aufgezehrt wurde. Einjähriges Eis ist dünn und schmilzt damit besonders leicht. Nach dem vergangenen Sommer, der mit historisch geringen Eismengen in die Geschichtsbücher einging (mehr...), waren 90 Prozent des einjährigen Eises wieder geschmolzen. Binnen weniger Wochen verschwand eine Eisfläche von einer Million Quadratkilometern einfach - in den vergangenen zehn Sommern zuvor waren es statistisch gesehen nur 100.000 Quadratkilometer pro Jahr gewesen.
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