Saturday, December 12, 2009

Ketchup: Blut-Ersatz

Vor hundert Jahren begann der Siegeszug des Ketchups. Wie es eine dickflüssige Tomatensauce schaffte, sich unentbehrlich zu machen.

Als im Jahr 2004 die amerikanischen Demokraten John Kerry zu ihrem Präsidentschaftskandidaten erkoren, hatten die Republikaner ein Problem: Kerry war mit der Heinz-Erbin Teresa Heinz Kerry verheiratet. Die Republikaner mussten befürchten, mit jedem Kauf einer Flasche Heinz-Ketchup den demokratischen Wahlkampf zu unterstützen. Also wurde das W-Ketchup lanciert – W ist das Mittelinitial des amerikanischen Präsidenten George W. Bush. «Du bist kein Helfer der Demokraten, warum sollte es dein Ketchup sein?» lautete der Slogan.

Ketchup ist nicht nur in New York, Moskau und Kuala Lumpur beliebt, sondern auch bei politischen Gegnern, die sonst wenig gemeinsam haben.

Im weiten Horizont der Küchen dieser Welt könnte Ketchup als ein vernachlässigbares Würzmittel erscheinen. In Wirklichkeit ist die ­Ketchupindustrie gigantisch. Sie verwertet jährlich 38,5 Millionen Tonnen Tomaten und setzt eine halbe Milliarde Dollar um. In den Vereinigten Staaten kaufen die Menschen mehr als 300 Millionen Liter pro Jahr – das ist etwa 1 Liter pro Einwohner –, und rund 97 Prozent aller amerikanischen Haushalte haben immer eine Flasche davon vorrätig. Aber die Amerikaner sind keineswegs die grössten Ketchupkonsumenten der Welt. Diese Auszeichnung gebührt den Schweden, die jährlich etwa 3 Liter pro Kopf verzehren. Auf dem zweiten Platz folgen die Kanadier mit rund 2,5 Litern pro Jahr, vor den Venezolanern. Ketchup wird heutzutage in jedem Land der Welt verkauft.
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Von Andrew F. Smith - nzzfolio

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