SAMI DAHER - ETHNISCH "SAUBER"
3.12.09 - 31.1.2010, Vernissage Do, 3.12.09, 19 UHRSpezialausstellung vor, während und nach der Palästina-Tage im KULTURM (10.-12.12.09)
Zum ersten Mal bereise ich (Sami Daher) bewusst die Landschaft meiner Kindheit. Die Landschaft des Galilai. Ich suche die Spuren der 1948 ausgelöschten palästinensischen Existenz und werde fündig.
Sind die Geschichten meiner Vorfahren lauter Märchen?
Meine Führer zu den ethnisch „gesäuberten“ Dörfern sind selbst Opfer dieser ethnischen „Säuberung“. Amin Muhammd Ali, Abu Arab genannt, 75 jährig, wurde aus Saffuriah vertrieben. 5 km nördlich von Nazareth entfernt. Er ist der Gründer der Organisation der intern Vertriebenen. Wajih Sem'an ist Gründer des Vereins der aus Suhmata intern Vertriebenen. Er ist über 75 jährig und nimmer müder Aktivist der Szene der intern Vertriebenen. Jamil Elarafat ebenfalls über 75 Jahre alt, ist aus Endur vertrieben worden und gilt als Nakba-Experte. Er schrieb viele mündlich weitererzählte Geschichten der Vertreibung nieder und berichtet jede Woche im Lokalradio Aschams aus Nazareth über die ethnisch gesäuberten Dörfer Palästinas.
Meine Reise durch die Galilai, so traurig sie war, hat einiges in mir geheilt. Das Heilendste daran war die bewusste Begegnung mit der Natur und mit der Landschaft - der Landschaft meiner Seele. Die Landschaft meiner Heimat hat meine Seele genährt und geprägt. Im April 2009 begegnete ich einer üppigen und saftig grünen Landschaft. Da war keine Spur von einer Wüste zu finden. Gab es hier eine andere Landschaft vor 60 Jahren? Und wenn dies kein Märchen aus unserer Folklore war und es hier wirklich immer ein Paradies gab, verdienten wir diese Landschaft nicht, weil wir sie angeblich nicht bebauen konnten? Da wir ja "faul, dumm und rückständig" waren. Haben die "intelligenten, fleissigen Israelis" das Land begrünt? Und darum verdienen sie meine Heimat als die ihrige? Und wären wir „faul, dumm und rückständig“ gewesen, sind wir ein Dreck gewesen, den sie säubern müssten?
Wer kann mir heute versichern: was vor 61 Jahren geschah darf nie wieder geschehen?
kulturm.ch
Labels: Deutsch, Invitation - دعوة


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